INTRALYMPHATISCHE IMMUNTHERAPIE
- ein Projekt des Info-Netzwerk Medizin 2000-

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  News und aktuelle wissenschaftliche Informationen zum Thema intralymphatische spezifische Immuntherapie (ILIT) und  Hyposensibilisierung

 

 

Intralymphatische spezifische Immuntherapie (ILIT)

Katzenhaarallergie: Heilung nach nur drei Spritzen direkt ins Lymphsystem?


Die Therapie der weit verbreiteten allergischen Überempfindlichkeit gegen die im Speichel von Katzen enthaltenen Allergene ist zeitaufwändig und der Behandlungserfolg ist unsicher. Bei der bisher üblichen subkutan anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SCIT) müssen im Lauf von 3 bis 5 Jahren bis zu 80 Injektionen gegeben werden. Immer besteht dabei die Gefahr schwerer Nebenwirkungen, gelegentlich kommt es sogar zu lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schockzuständen. 
Ob durch die aufwändige und nicht ganz ungefährliche Behandlung die Allergie tatsächlich geheilt werden kann, ist während der gesamten Dauer der Allergietherapie nicht absehbar.

Jetzt hat ein Wissenschaftlerteam an der renommierten Universität Zürich eine neue Therapiemethode vorgestellt, mit deren Hilfe die mit der SCIT zwangsläufig verbundenen Probleme  in Zukunft möglicherweise gelöst werden können.
In der im Fachblatt Allergy and Clinical Immunologie veröffentlichten Studie konnten die Schweizer Forscher nachweisen, dass es mit nur drei Injektionen des Hauptallergens
Fel d 1  direkt in einen Lymphknoten (ILIT) innerhalb von 2 Monaten möglich ist, die  Toleranz der gereizten Nasenschleimhaut gegen das Katzen-Allergen um das 74fache zu steigern.
In der Kontrollgruppe lag die Steigerung der Allergentoleranz der Nasenschleimhaut bei Gabe eines Scheinmedikaments (Plazebo) bei weniger als dem Dreifachen.
Durch die dreimalige Injektion der Allergenlösung direkt in das Lymphsystem kam es während der Studiendauer zu keinen Nebenwirkungen.

Diese erste  im Zusammenhang mit der ILIT direkt an allergiekranken Menschen durchgeführte klinische Studie erwies sich somit als sehr erfolgreich. Sie könnte daher aufgrund ihrer Vorzüge die herkömmlichen Therapievarianten (subkutane und orale/sublinguale spezifische Immuntherapie) völlig  verdrängen. 
Der subkutanen Immuntherapie SCIT ist die ILIT aufgrund ihrer offenbar sehr guten Verträglichkeit überlegen. Und die orale/sublinguale Form der Immuntherapie SLIT könnte möglicherweise aufgegeben werden, da die Injektion direkt in das Lymphsystem sehr viel stärker und schneller wirkt als die schwach wirkende Allergen-Zufuhr über die Mundschleimhaut.


Quelle:
2012 May;129(5):1290-6. doi: 10.1016/j.jaci.2012.02.026. Epub 2012 Mar 30.

 

Mehr Informationen:

Durch die intralymphatische Injektion (ILIT) von Katzenhaar- und Insektengift-Allergenen konnte bei Mäusen nachgewiesen werden, dass diese innovative Form der spezifischen Immuntherapie mit Blick auf die erwünschten Reaktionen des Immunsystems  der üblichen subkutanen, bzw. oralen Immuntherapie deutlich überlegen ist. 
Durch die direkte Injektion der Allergene in einen Lymphknoten konnte bei den Mäusen die Produktion von IgG2a Antikörpern um das Zehnfache gesteigert werden - und dies bei Verwendung von nur 1% des Allergens.
Die Therapie könnte daher - wenn sich die Ergebnisse bei Menschen reproduzieren lassen - tausendmal so wirksam sein wie die herkömmliche Immuntherapie. Dadurch ließe sich die Zahl der für die Immuntherapie erforderlichen Injektionen deutlich senken und auch die Menge der verwendeten Allergene.  Dies würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Häufigkeit von Therapie-Nebenwirkungen drastisch vermindern.

Quelle: Unit for Experimental Immunotherapy, Department of Dermatology, University Hospital of Zurich, Zurich CH-8091, Switzerland.

2009;150(1):59-65. doi: 10.1159/000210381. Epub 2009 Apr 2.

Allergietherapie,allergische Erkrankungen,Heuschnupfen

Mittelteil Allergie Allgemeintext


Basis-Informationen zum Themenkomplex
Allergie und
Allergietherapie. ssi

 

Allergien werden immer häufiger beobachtet, daher interessieren sich medizinische Laien und Ärztinnen und Ärzte in zunehmendem Maße für diese gelegentlich schwierig zu erkennenden und zu behandelnden Störungen des körpereigenen Immunsystems.
Schwerpunkt der Behandlung von Allergien ist derzeit die sublinguale Immuntherapie (SLIT)  mit Hilfe von Tabletten, die beispielsweise  standardisierte Allergene  von Gräsern enthalten, die in der Natur weit verbreitet sind. Ein Hersteller prägte im Zusammenhang mit den von ihm entwickelten Medikamenten den Begriff "Gräser-Impftablette".

Für die nahe Zukunft kündigt sich mit der sog. "Molekularen Allergiediagnostik" eine Revolutionierung der Allergie-Diagnostik und -Therapie an. Seit Jahrzehnten werden Allergien – besonders häufig Gräser- und Baumpollen-Allergien– mit Hilfe der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SIT, bzw. SCIT) behandelt. Allergologen haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden. Diese Pollen lösen häufig eine Entzündungen der Atemwege und eine überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems aus.  Diese zu starke Reaktion ist für die Symptomr der Allergie verantwortlich zu machen.

Der Grad der Entzündung - und somit der Verlauf der entzündlichen Erkrankung der Atemwege - lässt sich in jeder Arztpraxis,ohne großen Aufwand,  mit Hilfe des  FeNO-Atemtests bestimmen. Diese chemische Analyse der Ausatemluft erleichtert beispielsweise beim allergischen Asthma das gelegentlich schwierige Management der Erkrankung und hilft bei der Einsparung überflüssiger Medikamente.
 
Eine gute Wirkung der spezifischen Immuntherapie (SIT oder SCIT) wurde nicht nur bei Pollenallergien (Graspollenallergie und Baumpollenallergie) beobachtet, sondern in jüngster Zeit auch bei Tierhaarallergie - insbesondere Hunder- und Katzenhaarallergien.

Im Fall der ebenfalls weit verbreiteten Insektengift-Allergie (u.a. Wespen- und Bienengiftallergien) konnte sich die spezifische Immuntherapie in der Vergangenheit sogar als lebensrettende Notfall-Therapie etablieren.  Bei Patienten mit beruflich bedingtem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Schockzustände nach Insektenstich werden stationär durchzuführende Schnell-Hyposensibilisierungen empfohlen.  Mit Hilfe dieser Prophylaxe-Maßnahmen kann eine schnelle Verminderung des Risikos lebensbedrohlicher Schockzustände erreicht werden. 

Doch leider versagen bei der ebenfalls weit verbreiteten Hausstaubmilbenallergie alle empfohlenen physikalischen und chemischen  Schutzmaßnahmen.   

Ohne eine spezifische Immuntherapie geht bei der Allergie gegen die Bestandteile von Hausstaub also überhaupt nichts. Eine spezifische Immuntherapie SIT ist bei starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die oft empfohlene symptomatische Behandlung, z.B. mit Antihistaminika, ist nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam und daher ärztlich zu verantworten. Die Erfolge einer spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen wissenschaftlichen Studien immer wieder eindeutig belegt. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation)  beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv, da sie als einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit direkt an den immunologischen Ursachen der Allergie ansetzt und so in positiver Weise in den weiteren natürlichen Verlauf der Krankheit eingreift. 

Doch die subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige gravierende Nachteile (u.a. großer erforderlicher Zeitaufwand, zu geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten  und schließlich das Risiko bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle),  so dass nur ein kleiner Teil der für die Therapie in Frage kommenden  Allergiker (geschätzt nur 10%) tatsächlich in den Genuss dieser grundsätzlich sinnvollen und wirksamen Therapie kommt.

Die Mehrzahl der Allergiker – darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor Spritzen fürchten, oder erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur symptomatisch behandelt (beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika). Sie  riskierten so, dass sich im  weiteren Verlauf der Allergie - oft erst nach vielen Jahren - im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“  - aus dem eher lästigen Heuschnupfen ein bedrohliches allergisches Asthma entwickelt. Nach Meinung von Allergie-Experten droht dies bis zu 30% der nicht optimal mit einer Immuntherapie behandelten Allergiker).  Insbesondere für diese bisher nicht, oder nicht ausreichend therapierten Patienten  wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser enthält. Da diese Aöllergie-Tabletten geschluckt werden  - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie, nach der  Einstellung durch den jeweils behandelnden Allergologen,  von den Patienten in eigener Regie zu Hause  durchgeführt werden.   Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT) speziell mit „Grastabletten“  hat sich in ersten Studien als wirksam, gut verträglich und sicher erwiesen.

Dies gilt sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen,  als auch bei Heranwachsenden und selbst bei Kindern.  Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von mehreren Pharmaunternehmen angeboten,  bzw. entwickelt.  Kopf-an-Kopf-Vergleichsuntersuchungen liegen bisher aber nicht vor. Besonders kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen  diese Tabletten natürlich den bisher üblichen  „Allergie-Spritzen“ vor.
Experten rechnen damit, dass es schon bald auch für andere weit verbreitete allergisch bedingte Überreaktionen des Immunsystems oral anzuwendende Tabletten bzw.  Tropfen geben wird, die die jeweiligen Haupt-Allergene in standardisierten Mengen enthalten werden.

Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als sehr lästig empfundenen Allergie-Spritzen -zumindest teilweise -überflüssig machen.   Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der spezifischen Immuntherapie (SIT)  stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien, die von forschenden Pharmaunternehmen initiiert wurden.

Diese Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander vergleichen, kann die Frage der "optimalen" Allergietherapie derzeit nicht aufgrund eindeutiger  wissenschaftlicher Beweise beantwortet werden. Es ist aber  aufgrund allgemeiner Erfahrungen sehr wahrscheinlich, dass alle Medikamente, die die wichtigsten Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine effiziente orale  Allergiebehandlung geeignet sind.

Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen legen aber den Verdacht nahe, dass die sublinguale spezifische Immuntherapie SLIT weniger gut wirkt als die herkömmliche, subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie  SCIT.  Es wurde leider beobachtet, dass es in seltenen Fällen auch bei der als harmlos angesehenen SLIT zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen kann. 

Vermutlich ist es daher derzeit doch weiterhin sinnvoll, sich mit den über Jahrzehnten bewährten Allergiespritzen behandeln zu lassen, als mit fliegenden Fahnen zu  den neuen Allergietabletten zu wechseln.  

Auf großes Interesse stößt auch die Epikutane Spezifische Immuntherapie (EPIT), bei der die Allergene auf Pflaster aufgetragen werden, die auf der Haut der Unterarme fixiert werden. Die allergen wirkenden Proteine sollen so durch die Schichten der Haut in den Organismus diffundieren, um dort den Prozess der Hyposensibilisierung anzustoßen.



Der thematisch zu dieser Seite des Info-Netzwerk Medizin 2000 passende Text wurde in der werbefreien online Enzyklopädie WIKIPEDIA unter der Lizenz  „Creative Commons Attribution/Share Alike“ für die freie Weiterverbreitung publiziert. Nähere Angaben zu dieser Lizenz finden Sie hier.  Sie können den  publizierten Text zum Thema intralymphatische Immuntherapie /Hyposensibilisierung über die Suchfunktion von Wikipedia und auch hier abrufen.  Auf dieser Seite finden Sie auch Angaben zur Versionsvorgeschichte und zu den Autoren des Artikels. Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken der Bilder abgerufen werden.   



Die online Ausgabe der renommierten
Süddeutschen Zeitung
informiert
werbefrei über wichtigste Teilaspekte
allergischer Erkrankungen 

 







     

Video-Beitrag Deutsche Welle TV -
veröffentlicht auf YouTube

 









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